Unmut

Unmut macht sich breit!

PR-Event nennt Greta Thunberg die kürzlich in Glasgow abgehaltene UN-Klimakonferenz. In der Nähe einer unabwendbaren globalen Menschheitskrise konstatiert sie ihr Versagen, das ihre und das der Konferenz, wenn nicht ganz schnell aus „Blablabla“ Taten werden, die uns Menschen wesentlich verändern. Die Aussichten sind gering.

Um uns aus Gelaber und Ohnmacht herauszulocken, nennt der medial gehypte US-amerikanische Schriftsteller Jonathan Foer in seinem neuen Bestseller „Wir sind das Klima“ vier gar nicht neue Trends, die endlich behandelt werden müssen, wenn uns die Klimakrise nicht in die eigene existenzielle treiben soll: Autofahren, Flugzeugreisen, Fleischessen und unsere schiere Anzahl.

Prognosen, wohin der Unmut aus der COVID-19-Pandemie die Menschheit noch führt und wie nachhaltig sie unsere Lebensweise verändern könnte, übergebe ich, mitten im Schlamassel, sehr gern der Phantasie des Lesers dieser Zeilen.

In Synonymwörterbüchern finden sich für Unmut Bedeutungen wie Unzufriedenheit, Abscheu, Wut, Empörung, Protest. Was wären Gegenteile davon? Gelassenheit? Resignation? Ignoranz?

Offensichtlich doch Mut!

Mut, aus eigenem Antrieb zu handeln und nicht nur mitzumachen, was der eigenen Gewohnheit und Bequemlichkeit nützt.

Mut, Freiheit nicht an den eigenen Ellenbogen enden zu lassen, sondern ihr das Ausmaß zu geben, mit dem sie erst wertvoll wird: Freiheit zur Gemeinsamkeit, ohne die ich erst gar nicht in den aufrechten Gang komme, auf den ich so stolz bin. Auf dem ersten Level betrifft das die Gemeinschaft der Menschen und auf dem zweiten die Gemeinschaft des Lebendigen, das den Planeten seit fast vier Milliarden Jahren prägt.

Mut, spätestens in dem Moment Verantwortung zu übernehmen, wo klar wird, dass ich die planetare Lebensgemeinschaft nicht nur beeinflusse, sondern inzwischen gefährde, und in diesem Sinne Mut, nicht nur sich selbst genügen und gefallen zu wollen, nicht nur meinem Spiegelbild standzuhalten, sondern der Umgebung neben, hinter, über, unter mir.

Mut, Vertrauen zu haben. Zuerst in sich und von da aus in so viele andere Menschen wie irgend möglich. Kein blindes Vertrauen, sondern ein achtsames, unerschütterliches!

Mut, sich zu verändern, denn wie absurd ist denn bitteschön die Vorstellung, ein bemanntes Raumschiff vor dem Start mit Astronauten aufzufüllen wie einen Nightliner. Spätestens seit dem ersten Overview eines Raumfahrers im Jahr 1987 ist die Erde als ein ebensolches Raumschiff erkannt und als ein sehr verletzliches.

Mut zur Angst um andere, nur möglich, wenn genügend Mut vorhanden ist, die eigene Perspektive zu wechseln.

Mut zum Unmut.

Wird die Gemeinschaft des Lebendigen, die seit viereinhalb Milliarden Jahren im immerwährenden Verändern immer wieder die Balance gefunden hat fortzubestehen, uns noch so beeindrucken können, dass wir uns ernsthaft bemühen – Mut und Mühe, welch wunderbares Paar! –, in ihr zu bleiben?