Nobelpreise

Wieder mal eine Woche lang, Tag für Tag, Schlag auf Schlag, gab es gut dotierte Würdigungen für Entdecktes oder Geleistetes – ein wenig den Schaden mindernd, den der Reichtumsquell des Preisstifters bisher angerichtet hat. In diesem Jahr sind es zwei der fünf Bereiche, die erstaunen lassen.

In der Kategorie Literatur hätte ich der Jury nicht zugetraut, den Preis an einen Sprachkünstler zu vergeben, der es sich mit der medialen Öffentlichkeit schon einmal gründlich verscherzt hat. Die Rede ist von dem inzwischen 76-jährigen Peter Handke, der endlich die Auszeichnung erhielt: für „sprachlichen Ideenreichtum“ – für sein gesamtes literarische Œuvre also. Das ist ein Feiertag für die Sprache und jeden, der ihr unerschütterlich vertraut! Welchen ernstlichen Grund gäbe es auch sonst, an eine lebenswerte Zukunft zu glauben?

Die, die Handkes Perspektive auf die Jugoslawienkriege kritisieren und jetzt zum Kriterium seiner Preiswürdigkeit machen, haben nach wie vor nicht begriffen, dass er wie jede/r andere berechtigt ist, seine Wahrnehmung der Welt mitzuteilen und seine Fragen zu stellen – meilenweit entfernt von der Sinnlos-Satire der Böhmermanns und Nuhrs dieser Welt. Nirgends spielt Handke sich in diesem Zusammenhang als Institution oder altkluger Richtungsweiser auf, und den möchte ich gern kennenlernen, der behauptet, die komplexe Vermischung von ethnischen, religiösen und ökonomischen Problemen im ehemaligen Jugoslawien durchschaut zu haben.

In der Kategorie Frieden kann ich das Komitee nur beglückwünschen, nicht in die von den Medien aufgestellte Thunberg-Falle getappt zu sein. Hat Greta Thunberg je zum Weltfrieden oder der friedlichen Lösung tagtäglicher regionalen Gewaltkonflikte aufgerufen? Frieden ist allerdings eine unumgängliche Voraussetzung, um Notwendiges, auf das die junge Schwedin unerbittlich hinweist, in den Bereich des Möglichen zu rücken.

„Der Friede ist der Ernstfall, in dem wir uns alle zu bewähren haben“, sagte der ehemalige Bundespräsident Gustav Heinemann. Wann? Vor genau 50 Jahren – mitten im Kalten Krieg. Erst ein gänzlich anderer Umgang miteinander könnte heute und in nächster Zukunft die Konflikte vermeiden, die sich eben jetzt mit der Veränderung des Klimas und einer Ökonomie anbahnen, die sich starrsinnig an das Wachstumsmantra klammert. Mit Friedensgerede und Friedensgebeten wird es nicht zu machen sein. Nur mit klugem Tun und noch klügerem Unterlassen.