pandemische Zeiten 2

Ist es möglich? Eve! Eve Democracy.

Ines. Ines Klitz.

In pandemischen Zeiten. Gut sehen Sie aus.

Das macht die Kunst; die Filmkunst in diesem Fall. Im wirklichen Leben ist die Schauspielerin der Eve, Anne Wiazemsky, inzwischen verstorben.

Das ist sehr schade.

Das ist das Leben. Zu dem, nebenbei, auch gehört, dass sie mit Jean-Luc Godard, dem Autor und Regisseur von „One plus One“, dem ich Ihre Aufmerksamkeit verdanke, zwölf Jahre verheiratet war.

Unsere ersten Dates, auf diesem Blog zu finden, hatten wir anlässlich PEGIDA. Das ist fünf Jahre her.

Und jetzt CORONA.

Wo waren Sie bei FRIDAYS FOR FUTURE?

Der Klimawandel läuft uns nicht davon.

COVID-19 etwa?

Bestimmt. Davonlaufen nicht, aber wieder Ruhe geben.

Ihr Wort in der Pandemie Ohr.

Viren sind keine Feinde. Die Virologin Karin Mölling nennt sie Opportunisten und schreibt in ihrem Buch „Supermacht des Lebens“, das 2014 erschien: „Die Viren haben uns gemacht. Sie sind die Ideengeber der Evolution.“ Sie bewirten sich nicht nur bei uns, sondern „drehen an unserem Erbgut“.

Und murksen uns ab.

Pech gehört dazu. Zum Beispiel eine andere Erkrankung oder eine genetische Disposition oder ein geschwächtes Immunsystem. Strategisch ist das nicht. Strategisch wäre es nicht einmal, wenn die Todesfallquote statt bei 5 Prozent bei 50 Prozent läge.

Dann wäre die Häfte der Menschheit perdu.

Das wäre dann, ich will nicht sagen wünschenswert aber notwendig, letztlich in unserem Sinne. Viren agieren nicht gegen uns, sondern in einem komplexen Naturzusammenhang. Wir könnten sie aber gegen die gefährlichen multiresistenten Krankenhauskeime mobilisieren, die wir uns durch übermäßige Verabreichung von Antibiotika eingehandelt haben.

Was dürfen wir sonst noch erwarten?

Der Auftritt von COVID-19 weist auf unsere Lebensverhältnisse hin. Auf einmal sehen wir, was und wie schnell sich etwas im Alltag oder im Beruf oder im gesellschaftlichen Leben verändern lässt. Was wirklich notwendig ist und was nicht. Wir aber bringen, in Panik, gleich mal ein Feindbild in Umlauf und beschäftigen uns vor allem damit, wie wir möglichst schnell wieder in die Verhältnisse vor der Pandemie zurückkehren können. Als wäre dann alles wieder gut. Obwohl schon bis dahin vieles im Argen lag.

Wachsende Ungleichheit, Zerstörung der Umwelt, Verschwendung von Ressourcen …

Ich meine diesen idyllischen Individualismus inmitten einer beängstigenden Massenhaftigkeit. Mit den dieser Tage geäußerten Erwartungen und Befürchtungen kam mir der Begriff „Volk ohne Raum“ wieder in den Sinn. So hieß ein 1926 erschienener Roman von Hans Grimm. Seine zentrale These ist, dass der deutsche Mensch, wenn er nicht dem Untergang geweiht sein soll, mehr Raum zum Leben brauche. Das Buch war für die Nazis eine Steilvorlage zur Begründung ihrer Expansionspolitik.

Mit der sie schrecklich scheiterten.

Das war die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges. Die These ist aber auch eine beispielhafte Demonstration, wohin – mit Ideologien, Ängsten, Machtinteressen und Wahnvorstellungen – ein im Grunde einfacher Denkfehler führen kann.

Der wäre?

Nicht der Raum ist das Problem, sondern das Volk. Jedes endliche System, das exponentielle Prozesse in sich hat, wird über kurz oder lang daran zugrunde gehen. Es sei denn, es vermag diese Prozesse wieder zu entfernen oder in harmlose aufzulösen. Der Raum, konkret unser Lebensraum Erde, ist die Konstante, die ich akzeptieren muss. Die Veränderliche ist das Volk. Nur darauf habe ich Einfluss.

Das heißt?

Solange sie auf diesen Planeten angewiesen ist, hat die Menschheit, ganz gleich, was außerdem noch eine Rolle spielt, nur eine Chance auf Zukunft, wenn sie sich begrenzt und darum kümmert, dass sie es bleibt.

2023 wird die Erde acht Milliarden Menschen tragen; 1974 waren es vier.

Eine Zahl kann ich nicht nennen, aber sie sollte schleunigst berechnet werden. Dass das auch mit Hilfe der größten Computer und besten Wissenschaftler ein großes Kunststück bleibt, ist hoffentlich klar. Dass es nicht allein auf ausreichend Nahrung ankommt, hoffentlich auch.

Worauf noch?

Das finden Sie bitte selbst heraus und zwar mit der Maßgabe, dass jedes Menschenleben ein erfülltes und zufriedenes sein können muss. Es geht auch nicht um eine Durchschnittszahl. Die erdverträgliche Menschenzahl ist regional zu bestimmen und, zum Beispiel wegen des Klimawandels, regelmäßig anzupassen. Aus den regionalen Zahlen ergibt sich die Anzahl der Menschen insgesamt. Handel und Wandel, Güter- und Menschenbewegungen, Ressourcen, Umweltbelastungen, Biodiversität et cetera sind die vermeintlich Variablen in dieser Rechnung, am Ende in Gänze aber immer konstant oder der Lebensraum Erde verändert sich. Je gravierender, umso mehr wir Zusammenhänge missachten.

Sie liebäugeln doch mit einer Zahl? Heraus damit!

Ich denke, mehr als vier Milliarden Menschen werden auf Erden nicht gut miteinander umgehen können. Staaten und Religionen haben die Menschheit mit Kriegen, Genoziden, Massakern, Unfällen und verschiedensten Not- und Elendsprogrammen nicht nachhaltig reduziert. Klimawandel und Pandemien werden sie in den nächsten Jahrzehnten eindämmen, aber ich bin sicher, dass die irdische Natur noch andere Register ziehen wird müssen, um die Biosphäre wieder zu stabilisieren. Mit oder ohne uns.

Das heißt, Sie halten Geburtenkontrolle für notwendig.

Global und mit höchster Priorität. Möglichst bevor sich Natur darum kümmert.