Kunst oder künstlich

Die Ahnung wächst – von Überzeugung nach wie vor weit entfernt – dass die nicht zweckgebundene Kreativität eine entscheidende Rolle spielen könnte, die Verhältnisse so zu verändern, dass wir nicht in unserem armseligen Pragmatismus verrotten müssen. Vorausgesetzt, wir gewännen jene Freiheit, die uns die Fähigkeit gibt, Notwendiges zu tun.

Lange galt es in ‚gehobenen‘ Kreisen als en vogue, Kunst und künstlerische Betätigung als wichtigen Bestandteil von Zivilisation und Lebensqualität anzusehen und durch alle Höhen und Tiefen unserer Entwicklung hindurch mitzunehmen – als Trostgeber und Hoffnungsschimmer.

Nun ist häufiger zu hören, sie könnte notwendig, gar ausschlaggebend sein, jene Neigungen zu überwinden, die uns wahrscheinlich die Zukunft kosten werden – jedenfalls eine lebenswerte. Das beträfe dann so sehr jeden Einzelnen, so wenig es im Ernstfall um ihn geht. Letztlich geht es nämlich nicht um individuelle, sondern um strukturelle Fragen. Das Wollen allein reicht nicht aus.

Gleichzeitig deuten die unser Leben weiterhin beherrschenden Pragmatiker und sogenannten Realisten die Aufwertung der Künste und ihrer Schöpfer als Bankrotterklärung, als Ausdruck jämmerlichen Selbstzweifels im Großreich unseres Denkvermögens, das uns so weit vorangetrieben hat – ein paar lächerliche Jahrtausende, die wir den Planeten behausen. Soeben die künstliche Intelligenz erschaffen! mit der wir besagte Freiheit doch viel verlässlicher gewinnen würden.

Für wen ist nur die Frage und wozu.