Klimawandel, ein zweiter

Immer mehr EuropäerInnen empfinden ihr Leben als ungenügend, umso krasser, je deutlicher Glück und Zufriedenheit als nur begrenzt abhängig von materiellem Besitz begriffen werden. Wächst diese Einsicht, gibt es, ganz nebenbei, keinen Grund mehr, Parteien zu wählen, die von sich behaupten, Volksempfinden zu repräsentieren. Verändern müssten sie es wollen und können, um wieder guten Gewissens da zu sein.

Diese Einsicht ist verknüpft mit einer weiteren, die darauf beruht, als Einzelner, als bewusstes Selbst nicht unbedingt Großes und Größtes leisten zu müssen, sondern vor allem Eigenes. Und dieses Eigene sollte, als notwendiges Kriterium, im Zusammenhang mit anderem (Eigenen) funktionieren. Dafür, dass das gelingen kann, ist Sicherheit ein allererstes Gut. Sie zu schaffen und zu bewahren, tut mehr not, als sorgenvolle Blicke auf Wachstumsraten und Börsenindizes.

Mit diesen Vorgängen vollzieht sich bereits, parallel zum geografischen, ein gesellschaftlicher Klimawandel. Er verlangt von Politik und Wirtschaft Veränderungen aus sich selbst heraus. Kaum möglich? Richtig. Er verlangt sie trotzdem und zwar bei Strafe immer neuer lokaler und regionaler Verwerfungen und Konflikte, die leicht in die Höchststrafe militärischer Eskalationen münden können, in nationalistische Kriege. Wie in noch gut erinnerbaren Zeiten. Wobei zu beachten wäre: Der im Zweiten Weltkrieg scheiternde Nationalsozialismus war immerhin noch ein Sozialismus. Will sagen: Es kann stets noch schlimmer kommen als bisher.