Lebensweise

Eine Konsum-Gesellschaft deformiert den Einzelnen zu einem unsolidarischen Verbraucher, der dem Lebensglück nachjagt wie ein Verkäufer der Kundschaft oder ein Politiker den Wählerstimmen. Jedes abweichende Verhalten gilt als dumm und lächerlich. Was ist der Hans, nach sieben fremdbestimmten Jahren mit einem märchenhaften Klumpen puren Goldes entlohnt, doch für ein einfältiger Wicht! Entledigt und entschwert sich einer Kostbarkeit, für die wir alles gäben, als wäre sie pure Last. Am Ende dankt er Gott „mit Tränen in den Augen“ und kreuzt, statt in den Mittelpunkt der Welt zu rücken und dafür zu sorgen, dass sie sich um ihn dreht, leichten Herzens und glücklich wie kein Mensch unter der Sonne daheim bei Muttern auf.

Seit nunmehr vierzig Jahren, seit der ersten Studie des Club of Rome, sollten wir wissen, dass uns die Jagd nach Steigerungen und Erregendem von der Notwendigkeit abhält, die Zukunft aufzuspüren. Wir wissen, dass der maßlose Eigenbedarf auf Kosten der globalen Mehrheit geht, aber wir sind nicht bereit, unsere Lebensweise zu ändern.

Weil nur noch der Augenblick eine Rolle spielt. Weil wir ahnen, dass wir uns nie wieder so aufspielen können wie in ihm. Also bedrängen wir einander hemmungslos, beschenken uns mit aller Gewalt und rücken vom Gabentisch erst ab, wenn er zu bersten und das Angehäufte uns zu verschütten droht.

Dann irrt der Blick durchs Flimmerzimmer oder hinaus und findet bei viel Glück mit hansscher Leichtigkeit hindurch zwischen vielerlei Verblendung bis ans Firmament, wo noch nie ein ein Zeichen für uns stand. Wir müssen es setzen. Wir können es setzen, wenn wir unsere Perspektive wechseln, wenn wir ein erstes Mal von uns absehen, um uns zu Gesicht zu bekommen. Dann und nur dann haben wir auch die Chance, einander nichts mehr zufügen zu müssen, in niemandes Namen mehr und keines falschen Vorteils wegen. Das wäre die Voraussetzung für eine hoffnungsvolle Vorausbereitschaft.