Fridays for Future 2

Aus der Anonymität der Social Media heraus würde Greta Thunberg als anmaßend oder instrumentalisiert  angegriffen werden und die Echtheit ihrer Rede bestritten, das war ja klar. Ist eine Sechzehnjährige überhaupt zu so einem Text in der Lage? Hat sie Geld dafür bekommen, ihn vorzutragen? Soll sie es bekommen, wenn sie weitermacht? Wer steht, wer verbirgt sich hinter ihr? Schiebt sie vor?

Als Juror und Juryvorsitzender von Literaturwettbewerben für Kinder und Jugendliche habe ich in den 1980er Jahren hunderte Texte junger Menschen gelesen und manche analysiert. Es ist wahr, dass es Kindern schwerer fällt, eine Seite sauber strukturierter Prosa zu schreiben als ein Gedicht, das immer wieder mal genial gelingt. Wahr ist ebenso und keine Sensation, dass es wie in der Mathematik oder im Musizieren Hochbegabte gibt. Die gibt es auch im Sprachvermögen.

Für so eine Begabung bei Greta spricht, dass sie sich gegen das Misstrauen nicht wehrt, sondern sich erklärt. Sie schlägt nicht zurück, weicht nicht aus und reagiert auch nicht beleidigt. Sie antwortet stattdessen mit einem Brief als weiterer Beleg ihrer besonderen Fähigkeit. Mindestens ebenso spricht dafür, dass sie es bei Worten nicht belässt, sondern nach adäquaten Taten sucht. Und für sich gefunden hat!

Es ist nicht die Frage, ob ich ihr traue, ihr das zutraue, sondern ich traue mir mit einigen Jahren Theaterpraxis zu, an ihrem Auftreten, ihren Gebärden und ihrer Mimik zu sehen, ob das alles eingetrichtert und antrainiert ist oder aus ihr heraus kommt. Ich verwende für das, was ich schreibe, ständig Formulierungen, die ich ohne Rücksprachen und Recherchen nie sicher und genau verwenden könnte und ich merke, ob ihr das jemand abgenommen, für sie aufgeschrieben hat oder ob es verinnerlicht ist.

Nach diesen Bemerkungen bin ich sicher, dass Gretas Rede in Davos und weitere im Internet vorhandene Gespräche mit ihr eine eigene Persönlichkeit zeigen, von der wir, auch das lernt man im Umgang mit Texten von Kindern, nicht mehr verlangen dürfen, als im Moment da ist. Sie wachsen ja noch und in jeder Hinsicht.

Über den Brief von Greta Thunberg, kommentiert von David Ruch am 3. Februar auf www.t-online.de

Die junge Umweltaktivistin Greta Thunberg wehrt sich gegen die Angriffe auf sie und ihren Klimaprotest. In einem langen Beitrag, den sie auf Facebook veröffentlichte, widerspricht die Sechzehnjährige Behauptungen, sie würde von Menschen im Hintergrund gelenkt und bekomme Geld für ihr Engagement. Auch zu den Beleidigungen wegen ihres Asperger-Syndroms nahm sie Stellung.

Thunberg schreibt, die Verdächtigungen und der Hass gegen ihre Person hätten sie nicht überrascht. Mit einem Schulstreik auf etwas Komplexes wie den Klimawandel aufmerksam zu machen, möge auf viele Menschen befremdlich wirken. Sie sei aber so frustriert darüber gewesen, dass nichts gegen die Klimakrise unternommen worden sei, dass sie einfach etwas habe tun müssen.

Bei ihrer Idee zum Schulstreik habe sie sich von den Schülern in der US-Stadt Parkland inspirieren lassen, die nach einem Amoklauf an ihrer Schule für schärfere Waffengesetze in den Ausstand getreten waren. Sie habe mit anderen jungen Aktivisten in Schweden über die Idee gesprochen, doch niemand habe mitmachen wollen. Also habe sie das Projekt allein weiter verfolgt.

Ihre Eltern seien davon nicht begeistert gewesen, schreibt sie (they weren’t very fond of it). Sie hätten ihr gesagt, sie könne nicht auf ihre Unterstützung zählen und müsse das allein durchziehen. Am 20. August habe sie sich dann zum ersten Mal vor das Parlament in Stockholm gesetzt und Flyer an Passanten verteilt. Als sie auf Twitter und Instagram davon berichtete, sei ihre Aktion schnell in den sozialen Medien verbreitet worden (it soon went viral).

Sie protestiert mit ihrem “Schulstreik fürs Klima” seit August jeden Freitag vor dem Reichstag in Stockholm. Die Aktion fand viele Nachahmer in aller Welt. Auch in Deutschland folgten Zehntausende Schüler ihrem Beispiel und traten in mehreren Dutzend Städten in den Streik. Die Aktivistin nahm im Januar am Weltwirtschaftsforum in Davos teil, wo sie Top-Manager und Spitzenpolitiker dazu aufrief, sofort etwas gegen den Klimawandel zu tun.

Es sei nicht wahr, erklärt Greta Thunberg, dass hinter ihr Personen stehen würden, dass sie bezahlt und benutzt werde. „Ich bin absolut unabhängig und repräsentiere nur mich. Und ich tue das was ich tue, ohne Geld dafür zu erhalten.“ Die 16-Jährige stellt klar, sie habe zu keiner Zeit irgendwelche Zahlungen erhalten, noch seien ihr Zahlungen für die Zukunft versprochen worden.

Für Reisen zu Kongressen habe sie eine Genehmigung der Schule. Alle Auslagen wie Zugtickets und Übernachtungen zahlten ihre Eltern, die im Ürbigen keine Klimaaktivisten gewesen seien, bevor sie sie auf das Problem aufmerksam gemacht habe.

Sie schreibe ihre Reden selbst, aber weil sie inzwischen sehr viele Menschen erreiche, frage sie auch um Rat. Sie bitte regelmäßig einige Wissenschaftler um Hilfe bei der Erklärung komplexer Fragen. Sie tue das, um ihr Anliegen korrekt darzulegen und um keine Missverständnisse zu erzeugen.

Es gebe Menschen, die über sie herziehen würden, weil sie das Asperger-Syndrom habe, schreibt sie. Sie sagten auch, mit so einer Krankheit würde man sich nicht in eine solch öffentliche Rolle begeben. „Aber genau deshalb tue ich es ja. Denn wenn ich ‚normal‘ und sozial wäre, hätte ich mich einer Organisation angeschlossen, oder hätte selbst eine gegründet. Aber weil ich nun mal nicht so gut im sozialisieren bin, habe ich es so gemacht.“

Die junge Klimaaktivistin sagt weiter, ihr sei vorgeworfen worden, sie schreibe und spreche wie eine Erwachsene. Ihre Antwort: Kann nicht auch eine 16-Jährige in der Lage sein, für sich selbst zu sprechen? Wenn sie sage, in der Frage der Klimakrise gebe es nur schwarz und weiß, oder sie wolle, dass Menschen Panik bekommen, dann nur, weil es wahr ist.

Den Menschen, die meinten, man müsse nicht auf sie hören, weil sie nur ein Kind sei, wolle sie sagen: Hört stattdessen auf die harten wissenschaftlichen Fakten. Hätte jeder die Wissenschaftler und ihre Forschungen ernst genommen, dann müssten sie und Hunderttausende Schüler rund um den Erdball heute nicht auf die Straße gehen. Dann könnten sie alle zurück zur Schule gehen.

Brief von Greta Thunberg, veröffentlicht am 3. Februar auf Facebook

Recently I’ve seen many rumors circulating about me and enormous amounts of hate. This is no surprise to me. I know that since most people are not aware of the full meaning of the climate crisis (which is understandable since it has never been treated as a crisis) a school strike for the climate would seem very strange to people in general.

So let me make some things clear about my school strike.

In may 2018 I was one of the winners in a writing competition about the environment held by Svenska Dagbladet, a Swedish newspaper. I got my article published and some people contacted me, among others was Bo Thorén from Fossil Free Dalsland. He had some kind of group with people, especially youth, who wanted to do something about the climate crisis.

I had a few phone meetings with other activists. The purpose was to come up with ideas of new projects that would bring attention to the climate crisis. Bo had a few ideas of things we could do. Everything from marches to a loose idea of some kind of a school strike (that school children would do something on the schoolyards or in the classrooms). That idea was inspired by the Parkland Students, who had refused to go to school after the school shootings.

I liked the idea of a school strike. So I developed that idea and tried to get the other young people to join me, but no one was really interested. They thought that a Swedish version of the Zero Hour march was going to have a bigger impact. So I went on planning the school strike all by myself and after that I didn’t participate in any more meetings.

When I told my parents about my plans they weren’t very fond of it. They did not support the idea of school striking and they said that if I were to do this I would have to do it completely by myself and with no support from them.

On the 20 of august I sat down outside the Swedish Parliament. I handed out fliers with a long list of facts about the climate crisis and explanations on why I was striking. The first thing I did was to post on Twitter and Instagram what I was doing and it soon went viral. Then journalists and newspapers started to come. A Swedish entrepreneur and business man active in the climate movement, Ingmar Rentzhog, was among the first to arrive. He spoke with me and took pictures that he posted on Facebook. That was the first time I had ever met or spoken with him. I had not communicated or encountered with him ever before.

Many people love to spread rumors saying that I have people ”behind me” or that I’m being ”paid” or ”used” to do what I’m doing. But there is no one ”behind” me except for myself. My parents were as far from climate activists as possible before I made them aware of the situation.

I am not part of any organization. I sometimes support and cooperate with several NGOs that work with the climate and environment. But I am absolutely independent and I only represent myself. And I do what I do completely for free, I have not received any money or any promise of future payments in any form at all. And nor has anyone linked to me or my family done so.

And of course it will stay this way. I have not met one single climate activist who is fighting for the climate for money. That idea is completely absurd.

Furthermore I only travel with permission from my school and my parents pay for tickets and accommodations.

My family has written a book together about our family and how me and my sister Beata have influenced my parents way of thinking and seeing the world, especially when it comes to the climate. And about our diagnoses.

That book was due to be released in May. But since there was a major disagreement with the book company, we ended up changing to a new publisher and so the book was released in august instead.

Before the book was released my parents made it clear that their possible profits from the book ”Scener ur hjärtat” will be going to 8 different charities working with environment, children with diagnoses and animal rights.

And yes, I write my own speeches. But since I know that what I say is going to reach many, many people I often ask for input. I also have a few scientists that I frequently ask for help on how to express certain complicated matters. I want everything to be absolutely correct so that I don’t spread incorrect facts, or things that can be misunderstood.

Some people mock me for my diagnosis. But Asperger is not a disease, it’s a gift. People also say that since I have Asperger I couldn’t possibly have put myself in this position. But that’s exactly why I did this. Because if I would have been ”normal” and social I would have organized myself in an organisation, or started an organisation by myself. But since I am not that good at socializing I did this instead. I was so frustrated that nothing was being done about the climate crisis and I felt like I had to do something, anything. And sometimes NOT doing things – like just sitting down outside the parliament – speaks much louder than doing things. Just like a whisper sometimes is louder than shouting.

Also there is one complaint that I ”sound and write like an adult”. And to that I can only say; don’t you think that a 16-year old can speak for herself? There’s also some people who say that I oversimplify things. For example when I say that “the climate crisis is a black and white issue”, ”we need to stop the emissions of greenhouse gases” and ”I want you to panic”. But that I only say because it’s true. Yes, the climate crisis is the most complex issue that we have ever faced and it’s going to take everything from our part to ”stop it”. But the solution is black and white; we need to stop the emissions of greenhouse gases.

Because either we limit the warming to 1,5 degrees C over pre industrial levels, or we don’t. Either we reach a tipping point where we start a chain reaction with events way beyond human control, or we don’t. Either we go on as a civilization, or we don’t. There are no gray areas when it comes to survival.

And when I say that I want you to panic I mean that we need to treat the crisis as a crisis. When your house is on fire you don’t sit down and talk about how nice you can rebuild it once you put out the fire. If your house is on fire you run outside and make sure that everyone is out while you call the fire department. That requires some level of panic.

There is one other argument that I can’t do anything about. And that is the fact that I’m ”just a child and we shouldn’t be listening to children.” But that is easily fixed – just start to listen to the rock solid science instead. Because if everyone listened to the scientists and the facts that I constantly refer to – then no one would have to listen to me or any of the other hundreds of thousands of school children on strike for the climate across the world. Then we could all go back to school.

I am just a messenger, and yet I get all this hate. I am not saying anything new, I am just saying what scientists have repeatedly said for decades. And I agree with you, I’m too young to do this. We children shouldn’t have to do this. But since almost no one is doing anything, and our very future is at risk, we feel like we have to continue.

And if you have any other concern or doubt about me, then you can listen to my TED talk

(https://www.ted.com/…/greta_thunberg_the_disarming_…/up-next), in which I talk about how my interest for the climate and environment began.

And thank you everyone for you kind support! It brings me hope.

Greta