“Fensterplatz mit Essayist” 1

Beigabe zum biografischen Essay NEUES VON RUMPELSTILZ im Buch „Fensterplatz mit Essayist“, erschienen im Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2019, Seite 9

TEXTFASSUNGEN DES MÄRCHENS, auf die sich der biografische Essay NEUES VON RUMPELSTILZ bezieht. Die Rechtschreibung und Interpunktion folgt den Originalen.

 

„Rumpenstünzchen“
in der handschriftlichen Urfassung des Grimmschen Märchens aus dem Jahr 1810

Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war ein Flachsknoten gegeben, Flachs daraus zu spinnen, was es aber spann war immer Goldfaden und kein Flachs konnte herauskommen. Es ward sehr traurig und setzte sich auf das Dach und fing an zu spinnen, und spann drei Tage aber immer nichts als Gold. Da trat ein kleines Mänchen herzu, das sprach: ich will dir helfen aus all deiner Noth, dein junger Prinz wird vorbeikommen der wird dich heirathen und dich wegführen aber du mußt mir versprechen, daß dein erstes Kind mein soll seyn. Das kleine Mädchen versprach ihm alles. Bald darauf kam ein schöner junger Prinz vorbei, der nahm es mit sich, und machte es zu seiner Gemahlin. Nach einem Jahr gebar sie einen schönen Knaben; da trat das kleine Mänchen an das Bett und verlangte ihn. Sie bot ihm alles dafür, er nahm aber nichts an, und gab ihr nur 3 Tage Zeit, wenn sie am letzten nicht seinen Namen wiße,, so müße sie ihm das Kind geben. Die Prinzeßin sann lange, schon zwei Tage hatte sie gesonnen, und den Namen doch nicht gefunden. Am dritten befiehlt sie einer getreuen Dienerin hinaus in den Wald zu gehen, aus welchem das kleine Männchen gekommen sey. Diese geht Nachts hinaus, da sieht sie es, wie es auf einem Kochlöfel um ein großes Feuer herum reitet und ausruft: wenn die Prinzeßin wüßte, daß ich Rumpenstünzchen hies! wenn die Prinzeßin wüßte, daß ich Rumpenstünzchen hies. Die Dienerin bringt eilig der Princeßin diese Nachricht, die darüber sehr erfreut wird. Um Mitternacht  kommt das kleine Männchen und spricht: weißt du nun meinen Namen, oder ich nehme das Kind mit. Da nennt sie allerlei Namen endlich sagt sie: solltest du wohl Rumpenstünzchen heißen? Wie das Männchen das hört erschrickt es und spricht: das muß dir der Teufel gesagt haben, und fliegt auf dem Kochlöfel zum Fenster hinaus.

 

„Rumpelstilzchen“
in der ersten gedruckten Ausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ aus dem Jahr 1812

Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter. Und es traf sich, daß er mit dem König zu sprechen kam und ihm sagte: „ich habe eine Tochter, die weiß die Kunst, Stroh in Gold zu verwandeln.“ Da ließ der König die Müllerstochter alsogleich kommen, und befahl ihr, eine ganze Kammer voll Stroh in einer Nacht in Gold zu verwandeln, und könne sie es nicht, so müsse sie sterben. Sie wurde in die Kammer eingesperrt, saß da und weinte, denn sie wußte um ihr Leben keinen Rath, wie das Stroh zu Gold werden sollte. Da trat auf einmal ein klein Männlein zu ihr, das sprach: „was giebst du mir, daß ich alles zu Gold mache?“ Sie that ihr Hals-band ab und gabs dem Männlein, und es that, wie es versprochen hatte. Am andern Morgen fand der König die ganze Kammer voll Gold; aber sein Herz wurde dadurch nur noch begieriger, und er ließ die Müllerstochter in eine andere, noch größere Kammer voll Stroh thun, das sollte sie auch zu Gold machen. Und das Männlein kam wieder, sie gab ihm ihren Ring von der Hand, und alles wurde wieder zu Gold. Der König aber hieß sie die dritte Nacht wieder in eine dritte Kammer sperren, die war noch größer als die beiden ersten und ganz voll Stroh, „und wenn dir das auch gelingt, sollst du meine Gemahlin werden.“ Da kam das Männlein und sagte: „ich will es noch einmal thun, aber du mußt mir das erste Kind versprechen, das du mit dem König bekommst.“ Sie versprach es in der Noth, und wie nun der König auch dieses Stroh zu Gold verwandelt sah, nahm er die schöne Müllerstochter zu seiner Gemahlin.

Bald darauf kam die Königin ins Wochenbett, da trat das Männlein vor die Königin und forderte das versprochene Kind. Die Königin aber bat, was sie konnte und bot dem Männchen alle Reichthümer an, wenn es ihr ihr Kind lassen wollte, allein alles war vergebens. Endlich sagte es: „in drei Tagen komm ich wieder und hole das Kind, wenn du aber dann meinen Namen weißt, so sollst du das Kind behalten!“

Da sann die Königin den ersten und den zweiten Tag, was doch das Männchen für einen Namen hätte, konnte sich aber nicht besinnen, und ward ganz betrübt. Am dritten Tag aber kam der König von der Jagd heim und erzählte ihr: ich bin vorgestern auf der Jagd gewesen, und als ich tief in den dunkelen Wald kam, war da ein kleines Haus und vor dem Haus war ein gar zu lächerliches Männchen, das sprang als auf einem Bein davor herum, und schrie:

„heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hohl ich der Frau Königin ihr Kind,
ach wie gut ist, daß niemand weiß,
daß ich Rumpelstilzchen heiß!“

Wie die Königin das hörte, ward sie ganz froh und als das gefährliche Männlein kam, frug es: Frau Königin, wie heiß ich? – „heißest du Conrad?“ – Nein. – „Heißest du Heinrich?“ – Nein.

Heißt du etwa Rumpelstilzchen?

Das hat dir der Teufel gesagt! schrie das Männchen, lief zornig fort und kam nimmermehr wieder.

handschriftliche Anmerkungen der Brüder Grimm:
–  neben „Conrad“ und „Heinrich“ steht: Cunz oder Hinz
–  im letzten Satz steht nach „Männchen“: stieß mit dem rechten Fuß so zornig in den Boden, daß es bis an den Leib hineinfuhr, dann faßte es den linken mit den beiden Händen, hob ihn in die Höh und riß sich mitten entzwei.
–  unter dem Text steht: Dortchen 10. März 1811

 

„Rumpelstilzchen“
in der zweiten vermehrten und verbesserten Auflage der „Kinder- und Haus-Märchen“ aus dem Jahr 1819

Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter. Nun traf es sich, daß er mit dem König zu sprechen kam und zu ihm sagte: „ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen.“ Dem König, der das Gold lieb hatte, gefiel die Kunst gar wohl und er befahl, die Müllerstochter sollte alsbald vor ihn gebracht werden. Dann führte er sie in eine Kammer, die ganz voll Stroh war, gab ihr Rad und Haspel, und sprach: „wenn du diese Nacht durch bis morgen früh dieses Stroh nicht zu Gold versponnen hast, so mußt du sterben.“ Darauf ward die Kammer ver-schlossen und sie blieb allein darin.

Da saß nun die arme Müllerstochter und wußte um ihr Leben keinen Rath, denn sie verstand gar nichts davon, wie das Stroh zu Gold zu spinnen war und ihre Angst ward immer größer, daß sie zu weinen anfing. Da ging auf einmal die Thüre auf und trat ein kleines Männchen herein und sprach: guten Abend, Jungfer Müllerin, warum weint sie so sehr?“ „Ach! antwortete das Mädchen, ich soll Stroh zu Gold spinnen und verstehe es nicht.“ Sprach das Männchen: „was gibst du mir, wenn ich dirs spinne?“ „Mein Halsband,“ sagte das Mädchen. Das Männchen nahm das Halsband, setzte sich vor das Rädchen und schnurr! schnurr! schnurr! dreimal gezogen, war die Spule voll. Dann steckte es eine andere auf und schnurr! schnurr! schnurr! dreimal gezogen, war auch die zweite voll, und so gings fort bis zum Morgen, da war alles Stroh versponnen und alle Spulen voll Gold. Als der König kam und nachsah, da erstaunte er und freute sich, aber sein Herz wurde nur noch begieriger und er ließ die Müllerstochter in eine andere Kammer voll Stroh bringen, die noch viel größer war und befahl ihr, das auch in einer Nacht zu spinnen, wenn ihr das Leben lieb wäre. Das Mädchen wußte sich nicht zu helfen und weinte, da ging abermals die Thüre auf und das kleine Männchen kam und sprach: „Was giebst du mir, wenn ich dir das Stroh zu Gold spinne?“ „Meinen Ring von der Hand,“ antwortete das Mädchen. Das Männchen nahm den Ring und fing wieder an zu schnurren mit dem Rade, und hatte bis zum Morgen alles Stroh zu glänzendem Gold gesponnen. Der König freute sich über die Maßen bei dem Anblick des Goldes, war aber noch nicht satt, sondern ließ die Müllerstochter in eine noch größere Kammer voll Stroh bringen und sprach: „die mußt du noch in dieser Nacht verspinnen, wann dir das gelingt, sollst du meine Gemahlin werden;“ denn, dachte er, eine reichere Frau kannst du auf der Welt nicht haben. Als das Mädchen allein war, kam das Männlein zum drittenmal wieder und sprach: „was giebst du mir, wenn ich dir noch diesmal das Stroh spinne?“ „Ich habe nichts mehr,“ antwortete das Mädchen. „So versprich mir, wann du Königin wirst, dein erstes Kind.“ Wer weiß, wie das noch geht, dachte die Müllerstochter und wußte sich in der Noth nicht anders zu helfen, so daß sie es dem Männchen versprach und das Männchen spann noch einmal das Stroh zu Gold. Und als am Morgen der König kam und alles fand, wie er gewünscht hatte, so hielt er Hochzeit mit ihr und die schöne Müllerstochter ward eine Königin.

Ueber ein Jahr brachte sie ein schönes Kind zur Welt und dachte gar nicht mehr an das Männchen, da trat es in ihre Kammer und forderte, was ihm versprochen war. Die Königin erschrak und bot dem Männchen alle Reichthümer des Königreichs an, wenn es ihr das Kind lassen wollte, aber das Männchen sprach: „nein, etwas Lebendes ist mir lieber, als alle Schätze der Welt.“ Da fing die Königin so an zu jammern und zu weinen, daß es das Männchen doch bedauerte und es sprach: „drei Tage will ich dir Zeit lassen, wenn du bis dahin meinen Namen weißt, so sollst du dein Kind behalten.“

Nun dachte die Königin die ganze Nacht über an alle Namen, die sie jemals gehört hatte, und schickte einen Boten aus über Land, der sollte sich erkundigen weit und breit nach neuen Namen. Als am andern Tag das Männchen kam, fing sie mit Caspar, Melchior und Balzer an und sagte alle die sie wußte, nach der Reihe her, aber bei jedem sprach das Männlein: „so heiß ich nicht.“ Den zweiten Tag ließ sie herumfragen bei allen Leuten und legte dem Männlein alle die ungewöhn-lichsten und seltsamsten vor, als: Rippenbiest, Hammelswade, Schnürbein, aber es blieb dabei: „so heiß ich nicht.“ Den dritten Tag kam der Bote wieder zurück und erzählte: „neue Namen habe ich keinen einzigen finden können, aber wie ich an einen hohen Berg um die Waldecke kam, wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagen, so sah ich da ein kleines Haus und vor dem Haus brannte ein Feuer und um das Feuer sprang ein gar zu lächerliches Männchen, hüpfte auf einem Bein und schrie:

heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Frau Königin ihr Kind;
ach, wie gut ist, daß niemand weiß,
daß ich Rumpelstilzchen heiß!“

Wie die Königin das hörte, war sie ganz froh und als bald das Männlein kam und sprach: „nun, Frau Königin, wie heiß ich?“ da fragte sie erst: „heißest du Cunz?“ „Nein.“ „Heißest du Heinz?“ „Nein.“

„Heißt du etwa Rumpelstilzchen?“

„Das hat dir der Teufel gesagt! das hat dir der Teufel gesagt!“ schrie das Männlein und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, daß es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in einer Wuth den linken Fuß mit beiden Händen und riß sich mitten entzwei.

 

„Rumpelstilzchen“
in der Jubiläumsausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ aus dem Jahr 1912 nach der „Großen Ausgabe“ letzter Hand von 1857

Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter. Nun traf es sich, daß er mit dem König zu sprechen kam, und um sich ein Ansehen zu geben, sagte er zu ihm ‚ich habe ein Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen.’ Der König sprach zum Müller, ‚das ist eine Kunst, die mir wohl gefällt, wenn deine Tochter so geschickt ist wie du sagst, so bring sie morgen in mein Schloß, da will ich sie auf die Probe stellen.’ Als nun das Mädchen zu ihm gebracht ward, führte er es in eine Kammer, die ganz voll Stroh lag, gab ihr Rad und Haspel und sprach ‚jetzt mache dich an die Arbeit, und wenn du diese Nacht durch bis morgen früh dieses Stroh nicht zu Gold versponnen hast, so mußt du sterben.’ Darauf schloß er die Kammer selbst zu, und sie blieb allein darin.

Da saß nun die arme Müllerstochter und wußte um ihr Leben keinen Rat: sie verstand gar nichts davon, wie man Stroh zu Gold spinnen konnte, und ihre Angst ward immer größer, daß sie endlich zu weinen anfing. Da ging auf einmal die Türe auf, und trat ein kleines Männchen herein und sprach ‚guten Abend, Jungfer Müllerin, warum weint sie so sehr?’ ‚Ach,’ antwortete das Mädchen, ‚ich soll Stroh zu Gold spinnen und verstehe das nicht.’ Sprach das Männchen ‚was gibst du mir, wenn ich dirs spinne?’ ‚Mein Halsband,’ sagte das Mädchen. Das Männchen nahm das Hals-band, setzte sich vor das Rädchen, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war die Spule voll. Dann steckte es eine andere auf, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war auch die zweite voll: und so gings fort bis zum Morgen, da war alles Stroh versponnen, und alle Spulen waren voll Gold. Bei Sonnenaufgang kam schon der König, und als er das Gold erblickte, erstaunte er und freute sich, aber sein Herz ward nur noch goldgieriger. Er ließ die Müllerstochter in eine andere Kammer voll Stroh bringen, die noch viel größer war, und befahl ihr, das auch in einer Nacht zu spinnen, wenn ihr das Leben lieb wäre. Das Mädchen wußte sich nicht zu helfen und weinte, da ging abermals die Türe auf, und das kleine Männchen erschien und sprach ‚was gibst du mir, wenn ich dir das Stroh zu Gold spinne?’ ‚Meinen Ring vom Finger,’ antwortete das Mädchen. Das Männchen nahm den Ring, fing wieder an zu schnurren mit dem Rade und hatte bis zum Morgen alles Stroh zu glänzendem Gold gesponnen. Der König freute sich über die Maßen bei dem Anblick, war aber noch immer nicht Goldes satt, sondern ließ die Müllerstochter in eine noch größere Kammer voll Stroh bringen und sprach ‚die mußt du noch in dieser Nacht verspinnen: gelingt dirs aber, so sollst du meine Gemahlin werden.’ ‚Wenns auch eine Müllerstochter ist,’ dachte er, ‚eine reichere Frau finde ich in der ganzen Welt nicht.’ Als das Mädchen allein war, kam das Männlein zum drittenmal wieder und sprach ‚was gibst du mir, wenn ich dir noch diesmal das Stroh spinne?’ ‚Ich habe nichts mehr, das ich geben könnte,’ antwortete das Mädchen. ‚So versprich mir, wenn du Königin wirst, dein erstes Kind.’ ‚Wer weiß, wie das noch geht,’ dachte die Müllerstochter und wußte sich auch in der Not nicht anders zu helfen; sie versprach also dem Männchen, was es verlangte, und das Männchen spann noch einmal das Stroh zu Gold. Und als am Morgen der König kam und alles fand, wie er gewünscht hatte, so hielt er Hochzeit mit ihr, und die schöne Müllerstochter ward eine Königin.

Über ein Jahr brachte sie ein schönes Kind zur Welt und dachte gar nicht mehr an das Männchen: da trat es plötzlich in ihre Kammer und sprach ‚nun gib mir, was du versprochen hast.’ Die Königin erschrak und bot dem Männchen alle Reichtümer des Königreichs an, wenn es ihr das Kind lassen wollte: aber das Männchen sprach ‚nein, etwas Lebendes ist mir lieber als alle Schätze der Welt.’ Da fing die Königin so an zu jammern und zu weinen, daß das Männchen Mitleiden mit ihr hatte: ‚drei Tage will ich dir Zeit lassen,’ sprach er, ‚wenn du bis dahin meinen Namen weißt, so sollst du dein Kind behalten.’

Nun besann sich die Königin die ganze Nacht über auf alle Namen, die sie jemals gehört hatte, und schickte einen Boten über Land, der sollte sich erkundigen weit und breit, was es sonst noch für Namen gäbe. Als am andern Morgen das Männchen kam, fing sie an mit Kaspar, Melchior, Balzer, und sagte alle Namen, die sie wußte, nach der Reihe her, aber bei jedem sprach das Männlein ‚so heiß ich nicht.’ Den zweiten Tag ließ sie in der Nachbarschaft herumfragen, wie die Leute da genannt würden, und sagte dem Männlein die ungewöhnlichsten und seltsamsten Namen vor ‚heißt du vielleicht Rippenbiest oder Hammelswade oder Schnürbein?’ aber es antwortete immer: ‚so heiß ich nicht.’ Den dritten Tag kam der Bote zurück und erzählte ‚neue Namen habe ich keinen einzigen finden können, aber wie ich an einen hohen Berg um die Waldecke kam, wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagen, so sah ich da ein kleines Haus, und vor dem Haus brannte ein Feuer, und um das Feuer sprang ein gar zu lächerliches Männchen, hüpfte auf einem Bein und schrie

‚heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach, wie gut ist, daß niemand weiß,
daß ich Rumpelstilzchen heiß!’

Da könnt ihr denken, wie die Königin froh war, als sie den Namen hörte, und als bald hernach das Männlein hereintrat und fragte ‚nun, Frau Königin, wie heiß ich?’ fragte sie erst ‚heißest du Kunz?’ ‚Nein.’ ‚Heißest du Heinz?’ ‚Nein.’

‚Heißt du etwa Rumpelstilzchen?’

‚Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt,’ schrie das Männlein und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, daß es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen und riß sich selbst mitten entzwei.