ein sympathischer Gedanke

Ich kann mir nicht vorstellen, sinnlos zu sein. Also versuche ich meine Lebenszeit so in das Geschehen um mich herum einzubetten, dass sie nicht als ganz umsonst erscheint. Zum Beispiel traue ich mir zu, nicht ganz umsonst darüber nachzudenken, was es mit meinem Aufenthalt auf Erden auf sich hat und ob und wie ich ihn nutzen könnte, um Zukunft zu beeinflussen.

Für genial halte ich Karl Poppers zutiefst dialektische Entdeckung, dass wir – wie alle Lebewesen – unser Vorhandensein nicht nur konkreten Umweltbdingungen verdanken, sondern dass wir die ökologische Nische, in der wir existieren, selbst fortwährend schaffen und ausgestalten. Unsere Besonderheit besteht darin, dass uns dieser Vorgang bewusst wird.

Bisher habe ich dieses Privileg gern mit der großen Möglichkeit verknüpft, in gewissem Maße die eigene Zukunft sichern zu können. Inzwischen meine ich, dass das mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht zu erwarten ist. Tatsächlich bleibt die Zukunft auch mit unserer Erkenntnisfähigkeit unerreichbar, weil wir uns mit ihr nicht entfristen. Warum soll Zukunft dann ein Ziel für uns sein? Ein schlüssiges Ziel wäre zum Beispiel, die Lebensbedingungen für die eigenen Nachkommen so zu gestalten, dass diese ihres Lebens froh werden, dass sie die Lust darauf behalten und die Lust, es über ihre Frist hinaus wiederum lebenswert zu halten. So könnte die Welt sie beschäftigen und würde ihnen nicht nur zu schaffen machen.

Da ich diese Einstellung in den politischen und wirtschaftlichen Strukturen, die das globale Leben prägen, derzeit allenfalls als gute Absicht ausmachen kann, ist mir zunehmend der Gedanke sympathisch, dass unser Treiben und Getriebensein, das so viele Wünsche offen lässt und so viele Zweifel an der Kraft des Vernünftigen nährt, ein – allerdings notwendiges – Zwischenspiel des Lebens darstellt. Dann hätte die Menschheit nicht die verfluchte Pflicht, sich mit aller Gewalt erhalten zu müssen. Sie brauchte dann keine Angst mehr vor der Sackgasse zu haben, in die sie gerade hineinrennt, denn ihr Ende wäre nicht weniger als eine notwendige Voraussetzung für Lebensformen, die die gestaltenden Kräfte der Natur besser in sich sammeln, als wir es vermögen.