das Buch “Tschudi”

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Hingerissen wie von „Tschudi“ war ich seit dem grandiosen Roman „Der Meister und Margarita“ nicht mehr. Darin lässt Michail Bulgakow den Teufel im Moskau der 1930er Jahre erscheinen, um im jugendlichen Sowjetstaat dem sogenannten Neuen Menschen auf den Zahn zu fühlen. Sollte er das Böse tatsächlich vom Sockel stürzen oder gar aus der Welt schaffen können? Mitnichten, wie sehr schnell sehr deutlich wird. 1976 las ich den Roman ein erstes Mal und erfuhr, dass Marianne Faithfull ihn anno 1968 Mick Jagger auf den Nachttisch geschoben und ihn so zu „Sympathy for the Devil“ inspiriert haben soll, für mich bis heute der spektakulärste Song der „Rolling Stones“.

Den Roman „Tschudi“ legte mir im Frühjahr 2021 eine inspirative Freundin nahe. Leihweise wanderte er in einem schwarzen Stoffbeutel mit rotem Aufdruck, wie sie der französisch-deutsche Kultursender arte auf Buchmessen verteilt, von Dresden in mein Leipziger Oberstübchen und weitete es im Nu in eine intensive Nachempfindung aus, wie sie die „Star Trek“-Astronauten auf dem Holodeck des Raumschiffes Enterprise erleben. Weiterlesen

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„Louise en hiver“

In den Auftakt eines entsetzlichen Jahrzehnts hineingeboren, im Jahr 1939 im französischen Besançon, egalisierte Jean-François „Jef“ Laguionie diese Bürde, indem er Theatermann, Animator, Filmregisseur und schließlich Produzent wurde. Inzwischen ist er 81 Jahre alt, 46, als er 1985 seinen ersten abendfüllenden Animationsfilm schuf und, gewiss nicht ungeachtet Andy Warhols „Factory“, das Animationsstudio „La Fabrique“ gründete. Weiterlesen

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Andreas Gursky im Leipziger Bildermuseum

Vielleicht war die Vorfreude zu groß. Vielleicht lag es an meiner naiven Erwartung, die angekündigte Detailschärfe auf seinen extrem großen Farbfotos auch in nächster Nähe noch zu finden. Fand ich aber nicht. Unbenommen bleibt der tiefe Eindruck, den Gurskys Bilder hinterlassen haben.

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„Mademoiselle Chambon“

Was ist, wenn eine Möglichkeit erscheint, die die Wirklichkeit längst ausgeschlossen hat oder, noch verstörender, bisher gar nicht aufgetaucht ist? Dann kann sie einen leicht aus dem Gleichgewicht bringen oder bestürzen oder das Herz verwunden. Drei Herzen sind es in dem französischen Liebesfilm „Mademoiselle Chambon“ von Stéphane Brizé aus dem Jahr 2009, so behutsam, Geste für Geste, Moment für Moment erzählt, dass die Welt nicht gleich aus den Fugen gerät, mich kein Getöse verstört, aber manchmal tun die leisesten Katastrophen am heftigsten weh. Weiterlesen

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“Die Spur”

In einem abgeschiedenen Bergdorf an der polnisch-tschechischen Grenze geschehen mehrere grausame Morde an passionierten Jägern: dem Bürgermeister, dem Pfarrer, einem Tierzüchter, einem Bordellbetreiber. Offenbar hängen sie mit einer Lehrerin und ihren beiden Hunden, die eines Tages verschwinden, zusammen. Weiterlesen

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