Schubladen

In der Renaissance, einer Epoche, der die Wiederbelebung der kulturellen Leistungen der griechischen und römischen Antike zugeschrieben wird, soll – ganz ohne antikes Vorbild – die Schublade erfunden worden sein. Bis dahin waren Truhen die gängigen Aufbewahrungsmöbel. Der Unterschied ist offensichtlich. In Truhen Verwahrtes ist vertikal geschichtet. Schubladen sind horizontal konstruiert und damit viel müheloser zugänglich. Mit gleichzeitig abnehmenden Rauminhalten entstand eine neue Möglichkeit, das Untergebrachte gleichzeitig zu sortieren. Insofern sind Schubladen eine schlüssige Folge wachsenden individuellen und kleinteiligen Besitzes. Sie halten ihn übersichtlich und sind ein Indiz für eine Vielfalt der Dinge, die zunehmend das Leben füllt. Weiterlesen

“The Cleaner” in Toruń

Fast leer ist die Eingangshalle im „Znaki Czasu“, dem Toruńer „Zentrum für Zeitgenössische Kunst“, als es an diesem Julidienstag für die Ausstellung „The Cleaner“ öffnet, für über 100 Kunstwerke von Marina Abramović aus über fünf Jahrzehnten. Hier begegne ich ihnen das erste Mal unmittelbar. Toruń ist die vorletzte Station einer Retrospektive, die zuvor in Schweden (Stockholm), Norwegen (Humlebæk), Dänemark (Høvikodden), Deutschland (Bonn) und Italien (Florenz) zu sehen war.

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ungewisse Zuversicht

Moralische Impotenz regiert das Land. Auf kurzem Weg rutschen gewählte oder selbsternannte Funktions- und Verantwortungsträger in die Asozialität. Ohne es zu bemerken. ‚Eigentlich‘ wollen sie das auch nicht – so wie alle Alleinherrscher, bevor sie Tyrannen werden, durchaus das Wohl derer, die sie führen wollen, im Sinn haben – aber sie schaffen jene systemischen Strukturen, die Empathie und Gemeinwohl verhindern und halten an ihnen fest.  Weiterlesen