die Kurzfristigen

Die Kurzfristigen reden schnell und viel. Auf mich ein. Ohren weit offen, lausche ich ihnen erwartungsvoll, tatendurstig, objektiviert (zum Objekt gemacht). Wie leicht ich mich zurechtrücken lasse! Wie leicht sich so die Welt regieren lässt! Wie lange das gutgehen mag? Solange es mir noch gut geht, hoffentlich, halbwegs, lebenslänglich möglichst, denke ich. Denke ich noch? An ein dickes Ende nach all dem Gerede? Wie lange noch lasse ich mich frei und willig dahin treiben, an alle möglichen Grenzen und über sie hinaus? Häufig kommt es mir vor, als wäre nicht Vernunft, sondern nur noch Bürokratie in der Lage, die Kurzfristigen aufzuhalten. Das wäre pervers? Ist es.

gut ist besser

Gewissenhaftes Hören auf das und Lesen von dem, was Leute reden und schreiben, bringt erstaunlich gut zutage, wie eine Gesellschaft ‚tickt‘ und wes Geistes Kind ihre Anführer*innen sind. Das wissen wir am Beispiel des deutschen Nationalsozialismus seit „LTI“, seit dem grandiosen Notizbuch des Philologen Victor Klemperer. Wünschenswerter denn je wäre so ein Werk heute, wo eingeübte Alltagssprache wiederum bedenkliche Zustände vertuscht, deretwegen wir – wenig spricht dagegen – wahrscheinlich gerade unsere Zukunft verspielen. Weiterlesen

anders blicken

Soweit ich weiß, hat es mir schon als Kind gefallen, in besonderen Situationen neben mich zu treten und zuzusehen, was ich da gerade treibe oder wie mir geschieht und das anschließend auszuwerten. Manchmal habe ich mich geschämt, nicht sehr häufig war ich zufrieden mit mir. Nach und nach kam ich darauf, dass ich die Folgen meines Handelns besser absehen kann, wenn ich es zwischendurch vom Standpunkt derer aus betrachte, auf die es sich auswirkt. Weiterlesen

Wie viele woll’n wir sein?

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Mit dem Willen ist es so eine Sache. Oft reicht er nur für Augenblicke und wir werden umso unsicherer, je weiter eine Absicht reicht. Sind wir einigermaßen überzeugt, wollen wir uns vor allem wohlfühlen. Dieses Gefühl hängt allerdings sehr von der eigenen Perspektive ab. Wo stehe ich? Wer bin ich? Die Krönung von etwas oder ein mit Arbeit sich plagendes Tier? Wo kann, wo soll, wo darf ich hin? Weiterlesen

Ehrlichkeit

In einer Videokonferenz zur europäisch-afrikanischen Zusammenarbeit sagt heute der deutsche Bundespräsident, es liege auch in Europas Interesse, dass Afrika die Pandemie so rasch wie möglich hinter sich lassen könne – aus „humanitären, medizinischen, epidemiologischen und politischen Gründen“.

Am vergangenen Sonntag gaben bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt von den Wahlberechtigten 60 Prozent ihre Stimme ab, 41 Prozent für die Systemparteien CDU, DIE LINKE, SPD, GRÜNE und FDP. Den deutlich größeren Block bilden die Nichtwähler, die AfD und andere Gruppierungen mit 40 plus 13 plus 6 Prozent. Warum lese ich das nirgends, sondern muss es mir selbst ausrechnen? Weiterlesen