Aussicht

Es sieht so aus, als bringe kosmisches Geschehen immer wieder relativ stabile Inseln hervor, die sich im Großen Ganzen als Gleichgewichte oder Balancen zeigen und über Jahrmilliarden behaupten können. In ihnen differenziert und verfeinert es sich weiter und weiter. Was daraus hervorgeht, nennen wir beispielsweise Diversität, Leben, Bewusstsein.

Zugleich wünschen wir uns ‚dahinter‘ einen auslösenden Impuls, eine kreative Idee, eine treibende Kraft. Das gäbe uns Sicherheit. Die es nicht gibt. Nicht so. Nicht auf uns bezogen. Doch wir beschwören sie mit großem Eifer und mobilisieren für Existenzbeweise, für den Grund unseres Selbst und sein Privileg, alle nur erdenklichen Ressourcen.

Umso weniger – oder deswegen? – gelingt uns auf unserer Insel aussichtsreiches Tun und Lassen. Lieber berauschen wir uns – oder können nicht anders? – an bescheidenen Möglichkeiten und der Überzeugung, die Dinge in der Hand zu haben, sobald wir sie ergreifen. An diesem Zugriff. An den Spuren, die wir hinterlassen. Die sich allerdings immer häufiger als hässliche Gebrauchsspuren erweisen, als der Verschleiß von vielem, woraus sich Zukunft bildet. Das wird, fürchte ich, für längeren Verbleib nicht reichen. Dann werden wir im Großen Ganzen so gewandelt, dass wir uns nie mehr wiederfinden.

Inseln

„Struktur der Materie“ hieß im fünften Semester meines Lehrerstudiums eine Physikvorlesung, die mich nicht sonderlich interessierte. Zum Lehrerberuf überredet, dachte ich vielmehr darüber nach, ob ich dieses Studium zu Ende bringen oder versuchen sollte, der Volksbildung, ein Staat im Staate DDR, zu entwischen. Ein Wechsel in ein anderes Studium – Kulturwissenschaft interessierte mich – wurde abgelehnt. Lehrer wurden gebraucht und Einsicht in gesellschaftliche Notwendigkeit wurde eingefordert. Mein Interesse an Kunst, Kultur und kreativer Sprache sollte ich zum Hobby machen. Weiterlesen

Wetter?Wandel

850 Jahre alt ist der Ort Risch im Schweizer Kanton Zug. 20 Kilometer von Luzern entfernt, bewohnen ihn seit 2012 mehr als 10 000 Einwohner. Er will aber weiter ‚Gemeinde‘ heißen statt ‚Stadt‘. Siegt hier der Stolz auf Herkunft über das Faszinosum des Wachstums? Auch die Begeisterung am Zusammenschluss mit der benachbarten Kleinstadt Rotkreuz, die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts weitet und seit Ende des vorigen ein wichtiger Pharma-Standort ist, hält sich in Grenzen. Indizien wofür? Weiterlesen

Unabhängigkeit

Unabhängigkeit ist kein romantisches Gefühl. Romantik ist schön. Unabhängigkeit ist anstrengend. Und irreal. Sie sich zu wünschen, ist einfältig. Welches Lebewesen, welches Naturereignis wäre unabhängig? Wovon unabhängig, ist doch die Frage und wozu das, wenn es möglich wäre, gut sein könnte. Weiterlesen

anders blicken

Soweit ich weiß, hat es mir schon als Kind gefallen, in besonderen Situationen neben mich zu treten und zuzusehen, was ich da gerade treibe oder wie mir geschieht und das anschließend auszuwerten. Manchmal habe ich mich geschämt, nicht sehr häufig war ich zufrieden mit mir. Nach und nach kam ich darauf, dass ich die Folgen meines Handelns besser absehen kann, wenn ich es zwischendurch vom Standpunkt derer aus betrachte, auf die es sich auswirkt. Weiterlesen