Buchenwald

Im Alter von 16 Jahren fuhr ich mit der Schulklasse zum ehemalige Nazi-KZ Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar. Ermattet ist die Erinnerung daran. Nach dem heutigen Rundgang wünsche ich mir eine Vorschrift, nach der alle Deutschen einmal aller zehn Jahre die grausige Stätte besichtigen müssen. Ausnahmslos. Wenn nötig hindurchgetrieben oder gekarrt.

KZ Buchenwald, Kunstinstallation

KZ Buchenwald, Kunstinstallation

Weil fast jeder unserer Vorfahren Hitlers ausgerufenes Tausendjährige Reich großmäulig unterstützt oder stillschweigend geduldet hat. Weil es kein besseres Beispiel gibt, das zeigt, wie wenig technischer Fortschritt du Kultur vor dem Schlimmstmöglichen schützen, das Menschen jederzeit bereit sind, einander anzutun. Im Gegenteil: wie selbstverständlich sie in den Teufelskreis der Inhumanität eingebaut wird, in dem wir, bilden wir uns bloß nichts ein, nach wie vor rotieren wie im Hamsterrad.

So trostlos und hilflos habe ich mich lange nicht mehr gefühlt wie bei diesem Gang, nicht zu vergleichen mit den alltäglich servierten Fernsehgreueln aus aller Welt. Das Wort Unmenschlichkeit irritiert mich in diesem Zusammenhang zunehmend. Ist die hemmungslose Bereitschaft zur Quälerei des Nächsten nicht mindestens so eingeschrieben in unseren Daseinscode wie die Nächstenliebe? Wieso dominiert uns die Gier nach Macht und Besitz trotz aller Warnungen und Bekehrungen fast nach Belieben? Wieso gelingt es nicht, im Konfliktfall die gegenseitige Gewalt als Lösungsmittel abzuwerten? Warum wird jede Suche nach dem bestmöglichen Lebensweg in aller Regel zur Suche nach dem eigenen Vorteil und zur rücksichtslosen Sucht?