Aurelio Peccei

Der italienische Konzernmanager Aurelio Peccei (1908-1984) erlebt seine Kindheit in Turin, geprägt vom „harten Kampf ums tägliche Brot“, womit der Vater sich aber nicht begnügt und jenseits der Fabrik ein eigenes Bildungsprogramm für sich entwickelt. Beeindruckt belegt der Sohn nach der Schulzeit Kurse an der Pariser Sorbonne und reist, das ergibt sich aus Kontakten zu Emigranten, für kurze Zeit in die Sowjetunion. 1930 promoviert er als Wirtschaftswissenschaftler mit einer provokante These über Lenins Ökonomie. Er wird Angestellter bei der Firma Fiat, hat aber keine Bürokarriere im Sinn und lässt sich nach China schicken, um mit italienischen Firmen eine Flugzeugindustrie aufzubauen. Die Weltwirtschaftskrise 1929 zwingt ihn zur Rückkehr in das inzwischen faschistische Italien.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geht er in den Widerstand, wird 1944 bei einer Razzia verhaftet und überlebt mit Glück als Austauschgeisel. Nach Kriegsende organisiert er bei Fiat die Wiederaufnahme der Produktion und wird nach Argentinien geschickt, um den Konzern in Südamerika einzuführen. Dort sucht er über den geschäftlichen Rahmen hinaus ständig persönliche Kontakte.

„Unter den Politikern erinnere ich mich mit besonderer Rührung an Salvador Allende, den chilenischen Präsidenten, der im Kampf gegen die Militärs fiel, die 1973 seine legitime Regierung stürzten. […] Er besaß eine herzliche, menschliche Ausstrahlung und war unbedingt ehrlich in seinem Bemühen, seine sozialistischen Ideen in demokratischer Form anzuwenden. Offensichtlich reichen jedoch – damals wie stets – gute Ideen und die gute Absicht allein nicht aus.“

1968 ist Aurelio Peccei davon überzeugt, dass die Menschheit nicht nur durch das atomare Wettrüsten global bedroht ist. Nach einem fruchtlosen Treffen mit interdisziplinären Wissenschaftlern gründet er mit sechs Frustrierten in seiner Wohnung den „Club of Rome“.

Mit computergestützten Szenarios analysieren seither Wissenschaftler im Auftrag des Clubs den Zustand des Planeten und Gefahren für die Menschheit. Bevölkerungsexplosion, Umweltzerstörung, Fortschrittsgläubigkeit und die Unfähigkeit von Nationalstaaten, mit globalen Konzepten auf diese Gemengelage zu reagieren, führt ihn zu der Schlussfolgerung, dass die menschliche Spezies nur unter Mitwirkung all ihrer Individuen an all ihren Lebensplätzen fortbestehen kann. Hingegen ist eine globale Klassengesellschaft bei einer Verknappung von Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Lebensraum nicht zukunftsfähig.

Sein Ansatz gegen die katastrophalen Tendenzen eines exponentiellen Wachstums in einem abgeschlossenen Lebensraum ist ein vernunftbasierter Humanismus, der ein zeitlich und territorial begrenztes Denken und Handeln überwinden können soll.