putin – putin – putain – Путин

Im Rumänischen ist ‚putin‘ ein Unbestimmtes Zahlwort und heißt soviel wie ‚ein kleines bisschen‘. Vom Rumänischen ins Französische übertragen, wird aus dem ‚kleinen bisschen‘ das Kraftwort ‚verdammt‘. Beides scheint in die deutsche Redewendung ‚verdammt wenig‘ eingegangen zu sein. Quetscht sich ein ‚a‘ in dieses ‚putin‘, wird putain‘ daraus und – wieder im Französischen – das Schimpfwort ‚Dirne‘ oder ‚Hure‘. Den russischen Namen ‚Путин‘ bringt die Forschung mit ‚путат‘ in Verbindung, was ‚verwirren‘ oder ‚Fesseln anlegen‘ bedeutet.

Wortbedeutungen und mit ihnen die Sprachen verändern sich. Wäre das nicht so, wären sie wie tot. Aber die beständigen Veränderungen haften uns Lebendigen an. Das rettet sie. Das rettet uns. Nur wer sich ändert, bleibt. Nur wer sich ändert, lebt! Das ist nicht so schwer zu verstehen.

Und wird doch oft so schwer verstanden. Wobei ‚Verstehen‘ – nicht nur in Bezug auf den russischen Präsidenten – keineswegs heißt, dass ich ‚Verständnis‘ habe. Erst recht, wenn mir das abgeht, ist es wichtig und gar nicht selten existenziell, dass ich Veränderungen in der Natur, also auch in der menschlichen, ‚verstehe‘.

Aber – höre ich und sehe Stirnrunzeln – woher soll die so wichtige Sicherheit kommen, wenn wir uns nicht darauf verlassen können, dass das, was ist und woran wir uns gewöhnt haben, auch bleibt? Die Gegenfrage ist: Warum unterwandern wir dann diese vermeintliche Sicherheit mit jedem zweiten Schritt, den wir tun? Weil wir den ‚richtigen‘ Weg, den für uns guten, gar nicht kennen? In der Tat. Kaum tröstlich ist die Mitteilung, dass es ihn gar nicht gibt. Erst mit dem Tun entsteht er nämlich, mit ‚wandern‘ zum Beispiel, zeigt sich, bricht sich Bahn. Hat uns denn noch niemand gesagt, dass das Leben kein Spaziergang ist, es nie war und nimmer sein wird? Mir schon. Mein Großvater. Vor langer Zeit. Er kam, taggenau, heute vor einhundertzwanzig Jahren auf die Welt.

Zuletzt, zur schlechten Zeit, die gute Nachricht: Kriege sind nicht notwendig und durch nichts und niemanden vorbestimmt. ICH führe sie. Oder eben nICHt: nehme sie nicht länger hin; versuche nicht mehr, mich vor ihnen in Sicherheit zu bringen; beende sie nicht mit meinem Leben an einer ihrer Fronten, sondern – in ihrer Nähe, ich weiß, ist nichts lebensgefährlicher – im Gewaltverzicht.

Wenn das Leben mich nicht zuFRIEDENstellt, ist KRIEG eine sinnlose Alternative. Immer! Mit ihr wird mein Leben – ob ich das nun ‚verstehe‘ oder nicht – nicht und niemals mehr einen Sinn haben können.