Hervorgehoben

„Einsicht dringt meist nicht bis zum Verhalten vor, weil Verhalten nicht aus Einsicht entsteht. […] Nur Angehörige des Betriebssystems Wissenschaft glauben infolge einer déformation professionelle, dass Wissen Handeln anleite; andere Menschen sind da realistischer und nehmen an, Interessen, Macht, Gewohnheit, Desinteresse und anderes mehr sind vielleicht wirkmächtiger als Wissen. Dummheit übrigens auch.“
der Soziologe und Sozialpsychologe Harald Welzer in
„Nachruf auf mich selbst“

Hervorgehoben

„Was ich im Sinne habe, kann jeder in jeder Lage. Ich meine, an seinem Inneren arbeiten, seine Empfindungen in Harmonie zu bringen, sich selbständiger und unabhängiger von äußeren Einflüssen zu machen, sich so zu gestalten, wie man sich in den ruhigsten und klarsten Geistesmomenten gestaltet sehen möchte.“
Wilhelm von Humboldt, in einem Brief an eine Freundin

Aussicht

Es sieht so aus, als bringe kosmisches Geschehen immer wieder relativ stabile Inseln hervor, die sich im Großen Ganzen als Gleichgewichte oder Balancen zeigen und über Jahrmilliarden behaupten können. In ihnen differenziert und verfeinert es sich weiter und weiter. Was daraus hervorgeht, nennen wir beispielsweise Diversität, Leben, Bewusstsein.

Zugleich wünschen wir uns ‚dahinter‘ einen auslösenden Impuls, eine kreative Idee, eine treibende Kraft. Das gäbe uns Sicherheit. Die es nicht gibt. Nicht so. Nicht auf uns bezogen. Doch wir beschwören sie mit großem Eifer und mobilisieren für Existenzbeweise, für den Grund unseres Selbst und sein Privileg, alle nur erdenklichen Ressourcen.

Umso weniger – oder deswegen? – gelingt uns auf unserer Insel aussichtsreiches Tun und Lassen. Lieber berauschen wir uns – oder können nicht anders? – an bescheidenen Möglichkeiten und der Überzeugung, die Dinge in der Hand zu haben, sobald wir sie ergreifen. An diesem Zugriff. An den Spuren, die wir hinterlassen. Die sich allerdings immer häufiger als hässliche Gebrauchsspuren erweisen, als der Verschleiß von vielem, woraus sich Zukunft bildet. Das wird, fürchte ich, für längeren Verbleib nicht reichen. Dann werden wir im Großen Ganzen so gewandelt, dass wir uns nie mehr wiederfinden.

Inseln

„Struktur der Materie“ hieß im fünften Semester meines Lehrerstudiums eine Physikvorlesung, die mich nicht sonderlich interessierte. Zum Lehrerberuf überredet, dachte ich vielmehr darüber nach, ob ich dieses Studium zu Ende bringen oder versuchen sollte, der Volksbildung, ein Staat im Staate DDR, zu entwischen. Ein Wechsel in ein anderes Studium – Kulturwissenschaft interessierte mich – wurde abgelehnt. Lehrer wurden gebraucht und Einsicht in gesellschaftliche Notwendigkeit wurde eingefordert. Mein Interesse an Kunst, Kultur und kreativer Sprache sollte ich zum Hobby machen. Weiterlesen

Unmut

Unmut macht sich breit!

PR-Event nennt Greta Thunberg die kürzlich in Glasgow abgehaltene UN-Klimakonferenz. In der Nähe einer unabwendbaren globalen Menschheitskrise konstatiert sie ihr Versagen, das ihre und das der Konferenz, wenn nicht ganz schnell aus „Blablabla“ Taten werden, die uns Menschen wesentlich verändern. Die Aussichten sind gering.

Um uns aus Gelaber und Ohnmacht herauszulocken, nennt der medial gehypte US-amerikanische Schriftsteller Jonathan Foer in seinem neuen Bestseller „Wir sind das Klima“ vier gar nicht neue Trends, die endlich behandelt werden müssen, wenn uns die Klimakrise nicht in die eigene existenzielle treiben soll: Autofahren, Flugzeugreisen, Fleischessen und unsere schiere Anzahl.

Prognosen, wohin der Unmut aus der COVID-19-Pandemie die Menschheit noch führt und wie nachhaltig sie unsere Lebensweise verändern könnte, übergebe ich, mitten im Schlamassel, sehr gern der Phantasie des Lesers dieser Zeilen. Weiterlesen